Der Wolfton, was ist das?

Viele Celli und Kontrabässe haben ihn, den Wolf. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein Tier, welches im Instrument wohnt oder ein hippes Acessoire, sondern um ein Klangphänomen, das in bestimmten Frequenzbereichen auftreten kann. Geigen und Bratschen, sind aufgrund ihrer Größe deutlich seltener betroffen. Warum genau, erfährst du jetzt.

Wie äußert sich der Wolf, woran kann man ihn erkennen?

Diese Frage ist beinahe hinfällig, denn wenn du einen Wolfton bei deinem Instrument hast, ist das fast unverkennbar. Er lässt sich nicht oder fast nicht spielen. Besonders beim leisen Anspielen klingt der Ton pfeifend oder bricht immer wieder ab und flattert, wie das Heulen eines Wolfes.

Wusstest du, dass einige Stradivaris und Guarneris einen Wolfton haben?

Als ich ca. 12 Jahre jung war, sparte meine ganze Familie, um mir meine erste ganze Geige zu kaufen. Dass wir dabei leider übers Ohr gehauen wurden ist wieder eine andere Geschichte, die ich gerne hier verlinke, sobald ich dazu einen Beitrag geschrieben habe. Nun diese Geige gefiel mir auf Anhieb und war ein Mädchentraum. Perfekter goldrotfarbener transparenter Lack, makellos, toller Klang. Zumindest, bis ich die Zigeunerweisen von Sarasate spielte, denn da fand ich ihn, den Wolf auf der G Saite in einer sehr hohen Lage. Unglaublich ärgerlich war das, denn es schien, dass ich bereits nach kurzer Zeit die Grenzen dieses Instruments erreicht hatte (für 6000 Mark!), eine wahnsinnige Summe für meine alleinerziehende Mama. Da ging das freudige Spiel des Ausweichens und drum rum schummelns um den Wolfton los.

Hätte ich damals bereits mein heutiges Wissen besessen, wäre ich zur Geigenbauerin gegangen, denn oftmals lässt sich mit anderen Saiten oder dem Verschieben des Stimmstocks, einem anderen Saitenhalter oder einem Wolftöter das Phänomen abmildern oder verschwindet ganz! Ebenso lässt sich mit spielerischem Können der Wolfton austricksen und viele Geigen, die besonders laut und solistisch Klingen haben irgendwo einen Wolf.

Wie entsteht der Wolfton?

Der Wolf entsteht, wenn das Streichinstrument bei einer bestimmten Frquenz (Celli meist F oder F#) eine sehr Eigenfrequenz aufweist. Durch das starke Schwingen der Decke, wird die Saitenschwingung überlagert und der ton bricht.

Die Tonhöhe, bei der dieses Phänomen auftritt, ist baulich bedingt. So findet man bei vielen Guarneri del Gesu Violinen einen Wolf auf dem C (G Saite 10. Lage). Oft schreckt der Wolf Musiker ab, doch für einige ist der Wolf ein Zeichen dafür, dass das Instrument insgesamt sehr frei klingt und laut ist, dazu habe ich hier ein Video verlinkt:

Ask Augustin – Dances with Wolftones

Der Wolf spricht also generell nicht gegen die Qualität eines Instruments. Ich denke, es sollte immer abgewägt werden: Spiele ich in diesem Bereich? Überzeugt mich der restliche Klang so sehr, dass ich dieses kleine „Übel hinnehme“? Kann ich den Wolf mit einem Geigenbauer gemeinsam abdämpfen? Nehme ich die Herausforderung des Instruments an?

Der Einsatz eines Wolftöters kann ebenfallsin Erwägung gezogen werden. Doch jede Dämpfung, betrifft oft auch die anderen Frequenzen, eine professionelle individuelle Beratung und Feingefühl welcher „Wolftöter“ der passende ist und welcher Frequenzbereich gedämpft werden muss, ist das A und O. Der Wolfton kann so auf eine Frequenz verlagert oder abgedämpft werden, dass sie sich beispielsweise zwischen zwei Tönen befindet.

Meine Gedanken dazu sind aktuell wie folgt: Meine letzte Geige hat einen Wolf, zuerst war ich so verzaubert vom Klang, er war unglaublich voluminös in allen Lagen und dunkel geheimnisvoll, auch etwas rauh. Doch dann habe ich ihn gefunden, den Wolf, auf der G Saite in der 10. Lage (Genau wie im Video von Augustin Hadelich!). Meine Enttäuschung war sehr sehr groß und ich habe mit vielen Musikern und Geigenbauern gesprochen. Das Fazit daraus: Die Meinungen sind unterschiedlich, doch die Meinung der Solisten und auch der Geigenbauer, die ich sehr bewundere und schätze war einstimmig: Für sie war ein Instrument mit Wolf eher ein Plus, sofern es in den anderen Lagen außergewöhnlich klingt und ein Zeichen für ein außerordentlich schönen Klang, beinahe alle Solisten gaben an, Ihr Instrument habe ebenfalls einen Wolf.

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